Grundeinkommen: Vertrauen statt Gängeln


Auf Konstantin Weckers Webmagazin, entdeckte ich folgenden Artikel:

In dem kleinen brasilianischen Dorf Quatinga Velho haben Aktivisten ein Projekt gestartet, das die Wirksamkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens in der Praxis erproben sollte. Die Ergebnisse sind ermutigend: Die Menschen ruhen sich nicht in der „sozialen Hängematte“ aus, sondern nehmen ihr Leben aktiv in die eigenen Hände. (Roland Rottenfußer)

……

Ein Dorf blüht auf

Schließlich kam der große Tag. „Wir sind von Hütte zu Hütte gegangen und haben jeden einzelnen Einwohner zu einer Versammlung eingeladen.“ Bruna und Marcus erklärten im Versammlungshaus, dass jeder Bewohner von nun an monatlich 30 Real als Grundeinkommen erhalten sollte. Ohne Gegenleistung. Einfach so. Man würde nun annehmen, dass es zu einem „Run“ auf das leicht verdiente Geld kam. Doch nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Die Dorfbevölkerung zierte sich und ließ sich umwerben. Mara, eine Mutter von zwei Kindern, erinnert sich: „Wahrscheinlich dachten Bruna und Marcus, wir würden sie vor Freude umarmen. Aber wir glaubten kein Wort.“ Manche argwöhnten, die beiden Aktivisten seien Politiker auf Stimmenfang. Oder die Mafia wolle mit ihrer Hilfe schmutziges Geld waschen.

…..

Gegner der Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens müssen umdenken: Die Annahme, dass es zu einem „Schmarotzer-Ansturm“ auf das Geld kommen würde, konnte durch das Experiment ebenso widerlegt werden wie ein anderer, oft geäußerter Einwand: Wenn es Geld umsonst gäbe, würde ja niemand mehr arbeiten. Tatsächlich sind die 12 Euro natürlich nicht genug für ein Dasein als Frührentner. Es ist allerdings auf dem Land in Brasilien durchaus eine ansehnliche Summe. Die Bewohner von Quatinga Velho investierten ihr Geld zum großen Teil für den Bau menschenwürdiger Wohnungen, in Essen und Transport. So war es vielen Menschen erstmals möglich, die Preise für Busfahrten zu bezahlen und zu Bewerbungsgesprächen zu fahren. In Zahlen sind die Erfolge des Experiments nur schwer zu messen. In Quatinga Velho gibt es ja keine Läden, der Geldfluss kommt auch den Nachbarorten zugute. Aber: „Viele Kinder haben zum ersten Mal Schuhe und sie sind besser ernährt als früher“, hat Bruna beobachtet.

….

Vor allem aber: Die herkömmlichen sozialstaatlichen „Lösungen“ verlieren den Nimbus der „Alternativlosigkeit“. Man hört viele Einwände gegen das Bedingungslose Grundeinkommen. Viele von ihnen klingen in der Theorie auch einleuchtend. Gegner schaffen es immer wieder, die „Mittelschicht“ gegen die „Unterschicht“ aufzuhetzen: das Grundeinkommen sei eine Form der Enteignung der anständig Arbeitenden u.ä. Solchen Argumenten kann man mit Blick auf die Experimente von Namibia und Brasilien entgegnen: „Schau dir die Praxis an: Menschen geht es besser. Sie haben etwas aus ihrem Leben gemacht. Sie haben jetzt Geld für Bewerbungen und Fahrten zum Arbeitsplatz. Sie geben Geld aus und schaffen damit auch für anderen Menschen Einkommen.“ Es wird ja zu wenig beachtet, dass man nicht nur Arbeit braucht, um Geld zu erhalten, sondern auch Geld, um zu arbeiten. Denn Geld ist nötig, um den Körper arbeitsfähig zu halten, vorzeigbare Kleidung zu kaufen oder den Weg zum Arbeitsplatz zurückzulegen.

Eine weitere, sehr erfreuliche Entwicklung hat sich in Quatinga Velho gezeigt: Wie Bruna und Marcus berichten, haben einzelne Bürger, die durch das Grundeinkommen sozial aufgestiegen sind, ihrerseits Geld in den Fonds eingezahlt und so dazu beigetragen, dass das Projekt weiter laufen kann. Ihre Motivation ist klar: „Mir wurde geholfen, als es mir schlecht ging. Jetzt geht es mir besser, also helfe ich anderen.“ Wenn ausreichend viele Empfänger so verantwortungsbewusst handeln, könnte dies die Finanzierung und Ausweitung solcher Projekte erheblich erleichtern. Diese könnten sich irgendwann selbst tragen, ohne dass eine Dauerabhängigkeit von externen Geldgebern entsteht.

Dennoch ist jede Unterstützung – auch aus dem Ausland – natürlich derzeit willkommen. Die Kölner Initiative Grundeinkommen http://www.bgekoeln.de  hat eine Partnerschaft mit der brasilianischen Trägergruppe gegründet, sammelt Spenden und wirbt Dauersponsoren, vergleichbar mit Kinder-Patenschaften zugunsten von Ländern des Südens. Die grundlegende Erkenntnis dahinter ist: Ein gelungenes Experiment – egal wo auf der Welt – hilft auch der deutschen Bewegung für ein Grundeinkommen, langfristig sogar der ganzen „Menschheitsfamilie“.

Wiedereinmal werden hiermit die bereits auch von mir und den meisten Befürwortern vermuteten positiven Konsequenzen bestätigt.

Grundlegende, abendfüllende Informationen allgemeiner Art sehr gut dargestellt, hier:

DVD – Grundeinkommen – Kostenloser Download

Advertisements
Kategorien: Armut, Bedinungsloses Grundeinkommen (BGE), Gesellschaft, Wirtschaft | Schlagwörter: , , , | 7 Kommentare

Beitragsnavigation

7 Gedanken zu „Grundeinkommen: Vertrauen statt Gängeln

  1. Meistermacher

    Super. Also, gesetzt den Fall, die Gesellschaft (hier: das Dorf) muss es nicht selbst finanzieren (weil es von außen gebracht wird), „funktioniert“ das BGE. Messbare Erfolge gibt es allerdings nicht, aber immerhin subjektive Eindrücke, dass jetzt alles viel besser ist.

    Sorry, aber das ist doch eher ein Negativbeispiel.

    • Für das Dorf ist das zu verteilende Geld einfach mal da. Es ist ein Experiment, ein Fallbeispiel und zeigt eher die Wirkungen innerhalb der Versuchsgruppe, die ja durchaus positiv sind.

      Ich versuche im Blog einfach Informationen rund um das Thema BGE zu sammeln, und finde ja die Diskussion darum wichtig. Und mir geht es nicht darum Schönfärberei zu betreiben.

      Warum finden Sie es konkret als Negativbeispiel?

  2. Vielen Dank für das Teilen dieses Artikels. Ach schön, das stimmt mich fröhlich. 🙂
    Liebe Grüße, Meike

  3. Das BGE wäre ein Pardigmawechsel in unserer Gesellschaft, dies geht momentan noch über den geistigen Horizont der allermeisten Mitbürger hinaus. Wenn dir jahrtausendelang eingebleut worden ist das die Welt flach ist…

    • Wobei es nur wichtig wäre, dass eine kritische Masse an Entscheidungsträgern den Paradigmawechsel vorantreibt. Ich denke die Bürger würden wohl sehr schnell die Vorzüge erkennen. Aber klar momentan scheint vielen sowas total unrealistisch. Ich habe ja auch schon ein paar Artikel früher übers BGE eingestellt und finde vor allem Götz Werners Buch „Einkommen für Alle“ als total stimmig.
      Und immer bleibt die Frage: „Schaffen wir es vor einem Crash oder muss der Crash zuerst stattfinden ?“

  4. ups Schreibfehler… Paradigmawechsel muss es heißen: http://de.wikipedia.org/wiki/Paradigma

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: