Das Wachstumsdilemma – wofür zum Teufel müssen wir wachsen?


Die Grenzen des Wachstums sind uns hinlänglich bekannt ….

Unter Prinzipien habe ich ja auch den Punkt als für einen Gesellschaftswandel als notwendig identifziert, wonach wohl ein Übergang unserer Konsumgesellschaft in eine Bedarfsgesellschaft erforderlich ist.

Nun ist die Forderung nach Wachstum eine heilige Kuh, die wir gebetsmühlenartig zu jedem Anlass zu hören bekommen, sodass wir alle daran glauben. Alle? Nicht alle! Ein kleines Nest in Irgendwo leistet Widerstand. Und spätestens seit der Untersuchung im Auftrag des Club of Rome nach der Frage der Grenzen des Wachstums, beschäftigten sich Wissenschafter rund um Donella und Dennis Meadows intensiv damit, ob ein exponentieller Zuwachs von Ressourcenverbrauch, Bevölkerung und wirtschaftlicher Aktivität ewig weiter funktionieren kann.

… nur sehen wir sie nicht

Vielleicht müssen Buchautoren vorsichtiger in der Argumentation sein, gegen Lobbies ist oft schwer anzukämpfen, Beweise werden ins Lächerliche gezogen und Klagen sind schnell eingebracht, wenn man Dinge behauptet, die anderen Zuwiderlaufen. Aber eigentlich kann man eindeutig sagen, dass solch ein Wachstum, ein exponentionelles, in der Natur nicht möglich ist. Mittlerweile zeigen sich auch Aspekte des Klimawandels, katastrophale Naturzerstörungen durch Ressourcenabbau so offensichtlich, dass es kaum jemand mehr ernsthaft in Zweifel zieht. Ein großes Problem stellt meiner Meinung nach dar, dass gerade die Hauptbetroffenen des Wachstums (Wir Europäer, Nordamerikaner) viele Folgen nicht direkt sehen – wir leben nicht in der Arktis, sehen die Gletscherschmelze in Grönland nur im Fernsehen und sehen auch nicht quadratkilometergrosse Abraumhalden in Asien, die wie utopische Landschaften einer fremden Welt aussehen. Rund um uns ist die Natur heil und schön, weil wir eine verlängerte Werkbank haben und arbeiten lassen und selbst bei ein bisschen zu hohen Feinstaubwerten Panikattacken bekommen – dass man in Peking die Hand vor Augen oft nicht mehr sieht, weiss man zwar, ist aber tausende Kilometer weit weg.

Ist Wachstum überhaupt notwendig?

Trotzdem bin ich der Meinung, dass den Wissenschaften eindeutig bekannt und den Normalbürgern sonnenklar ist, dass ein ständiges Wachstum nicht möglich ist. Mir stellt sich aber vielmehr die Frage, ob es denn überhaupt notwendig ist? Würde es uns so viel schlechter gehen, wenn plötzlich kein wirtschaftliches Wachstum mehr vorhanden ist.

Studien zufolge ist dem nicht so, denn ab einer gewissem Einkommenslevel, BIP-Niveau bringt eine weitere Steigerung kaum bis nichts mehr in Bezug auf die Angaben, wie glücklich und zufrieden man mit dem Leben ist. (Quelle: Worldwatch Institute – dargestellt in Jackson, Wohlstand ohne Wachstum). Dies ist neben dem wissenschaftlichen Nachweis auch plausibel. Wenn die Grundbedürfnisse nach Wohnen, Ernährung, Familie/Beziehung und Gesundheit zur Zufriedenheit abgedeckt sind, bringt ein „Mehr“ an Geld kaum mehr grossen „Zusatznutzen“ – wir kennen es und spüren es und sind zunehmend auch unzufrieden mit dem Druck, immer wieder für ein Wachstum kämpfen zu sollen, welches uns nicht mehr interessiert.

Wachstum für ein Schuldgeldsystem

Margrit Kennedy formuliert in „Geld ohne Zinsen und Inflation“ fünf grundsätzliche Missverständnisse bezüglich der Funktion des Geldes:

  1. Es gibt nur eine Art von Wachstum – Nein!
  2. Zinsen zahlen wir nur dann, wenn wir uns Geld leihen – Nein!
  3. Das gegenwärtige Geldsystem dient allen gleichermaßen – Nein!
  4. Inflation ist ein integraler Bestandteil eines jeden Geldsystems – Nein!
  5. Unser Geld- und Finanzsystem verhält sich neutral zu Fragen nachhaltiger Entwicklung – Nein!

Nachdem es sich um Missverständnisse handelt, kann man zusammengefasst sagen, dass durch das Zinseszinssystem das Geldvermögen exponentiell wächst und alle exponentiell wachsenden Systeme dem Tod geweiht sind (Krankheit). Weiters zahlen wir alle Zinsen in jedem Produkt, das wir kaufen, bei der Miete, bei Gebühren … und zwar zunehmend mehr und mehr (exponentiell). Nur wer ein bestimmtes, sehr hohes Einkommen hat, kann noch mehr Zinsen „erarbeiten“ lassen als er selbst bezahlt und profitiert vom herrschenden System. Dies betrifft aber nur mehr weniger als 10 Prozent der Gesellschaft und es drückt das aus, was viele spüren: dass einige immer reicher werden (was nicht einmal ein Vorwurf ist, sondern es ist systembedingt gar nicht anders möglich!) und die restlichen 90% im allgemeinen kaum mehr eine Chance haben, auch nur annähernd gut zu überleben – selbst die USA haben festgestellt, dass der Mythos vom Tellerwäscher zum Millionär kaum mehr funktioniert. Inflation ist ebenfalls keine Notwendigkeit, aber sie wird uns als selbstverständlich hingestellt, weil es für Regierungen eine Möglichkeit darstellt, die schlimmsten Probleme hinsichtlich der ansteigenden Schulden zu lösen, nämlich durch das Aufblähen der Geldmenge, die nicht durch entsprechende Werte aus Arbeit und Produktion gedeckt ist. Wer also nicht in inflationsbeständige Vermögen investiert hat, zahlt durch die Inflation nur drauf – und merkt es kaum, nur schleichend, im nachhinein!

Wir müssen also für ein Schuldgeldsystem wachsen, welches uns eigentlich nicht dient, uns krankt macht und zu immer schnellerem Wachstum zwingt. Immer mehr müssen wir arbeiten, um die Zinsen für das sich bei immer weniger ansammelnden Vermögen zu verdienen. Und das wird sich bald nicht mehr ausgehen.

Ganz wichtig ist mir dabei immer festzuhalten, dass selbst die Reichsten nichts dafür können, innerhalb des Systems geht es gar nicht anders, wenn man sich nicht ganz und gar ungeschickt verhält und alles verjubelt. Nur fallen auch hier immer mehr selbst aus dieser Schicht, wo die Zinseinnahmen noch die gesamten Zinszahlungen übersteigen raus – das ist was wir als schrumpfenden Mittelstand spüren.

Wichtig für den praktischen Ablauf eines Gesellschaftswandels, egal ob evolutionär oder revolutionär, ist mir daher aber auch, dass es zu keinen Hass auf Reiche kommt, keine linke Propaganda, keine rechte Gleichschaltung, sondern eine auf Akzeptanz, Vergebung, Verständnis und auf die Zukunft gerichtete Einstellung. Da ich den etablierten Parteien das kaum mehr zutraue, beobachte ich natürlich sehr die Entwicklung der Piratenparteien, bzw. der Violetten oder neuer Strömungen.

Überlegt mal folgende utopisch schöne Zukunftsvision:

Wenn, anstatt wie heute, wo Geiz, Gier und Eigennutz vorherrschen, jeder versuchen würde, den andern Dinge zu schenken und anderen Gutes zu tun, man also sich fast gegen die Wünsche der anderen, Dinge zu verschenken, verteidigen müßte – würde sich die Fülle nicht von selbst manifestieren?

In weiteren Artikeln werde ich mich mich damit beschäftigen, wie ein Leben ohne Wachstum aussehen kann und welche Wege dorthin führen können.

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Kategorien: Alternative Geldformen, Gesellschaft, Wirtschaft, Wohlstand | Schlagwörter: , , , , , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Das Wachstumsdilemma – wofür zum Teufel müssen wir wachsen?

  1. Ich möchte Ihrem Beitrag im Wesentlichen widersprechen. Meines Erachtens ist ein permanentes Wachstum möglich, da dieses immer Not gedrungener Weise, neue Nischen findet. Zusätlich gibt es auch immaterielles Wachstum, dass auch durch einen Wert determiniert werden kann.
    Das Zinseszinssystem, so weit ist Ihre Ausführung richtig, kann nur auf Basis von Wachstum geschehen. Liegt dieses nicht vor, kann der Zinseszins nicht ausbezahlt werden und das System bereinigt sich selbst.
    Auch sehe ich eine Notwendigkeit in einem solchen System, da es wesentlcih Anreize für den Fortschritt schafft. Dies geschieht durch eine effiziente Ressourcenverteilung, die auf der vermuteten Voreilsnahme der Investoren basiert.

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